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Donnerstag, 22. März 2012
Ein Yankee aus Connecticut

Ein Yankee aus Connecticut an König Artus Hof
Mark Twain
Wilhelm Heyne Verlag München

Hank Morgan ist ein ausgewaschener Yankee und arbeitet als Produktionsleiter einer Waffenfabrik. In einer Rauferei mit einem seiner Mitarbeiter erhält Hank eine Eisenstange an den Kopf. Durch diesen Schlag wird Hank ins sechste Jahrhundert versetzt, wacht benommen unter einem Baum auf, als ihn ein Ritter gefangen nimmt. Dieser nimmt ihn mit nach Camelot.
Hank Morgan wähnt sich zuerst in einem Irrenhaus und fragt sich, wieso denn alle so fremd angezogen sind. Bald jedoch dämmert ihm, dass diese Begegnung und die Gestalten die er in Camelot an der Tafelrunde sieht, durchaus ernstzunehmende und reale Gestalten sind. An König Artus Hof wird er nun so richtig in die damalige Lebensart eingeweiht.
Eines der ersten Dinge die ihm auffallen, ist der kleine und ein wenig spezielle Wortschatz. Die fabulierlustigen Ritter erzählen gerne, schwingen sich durch ausgeschmückte Abenteuer in gute Position. Wahr jedoch ist meistens nur ein Bruchteil. Überhaupt scheinen es die Ritter in Friedenszeiten aus Langeweile regelrecht auf Raufereien angelegt zu haben. Die kleinste Angelegeneit dient als Anlass, sich zu schlagen. Finden sie überhaupt keinen Anlass auf eine Fahrt zu gehen, so reicht es, dass der heilige Gral noch immer nicht die Reliquiensammlung am Hof schmückt.
Bei aller mittelalterlichen Grausamkeit, ist dennoch der Aberglaube und die Religiosität eine tief verwurzelte Angewohneit. Ein Edelmann kann in einem Augenblick einen Untertanen wegen eines geringen Vergehens töten, und im nächsten Gott tief danke sagen, dass er ihm dauernd beisteht, seinen Segen gibt. So macht es sich Hank zur Aufgabe, gegen den mittelalterlichen Aberglauben mit dem Wissen des neunzehnten Sturm zu rennen. Zunutze macht sich Hank das Wissen um eine Sonnenfinsternis, ja er prophezeit dem König und den Rittern das Verschwinden des Sonnenlichts. Sehr zum Unwillen von Merlin, dem Hofweisen, startet Hank eine Karriere als grosser Magier. Als Zückerchen fürs naive Volk, sprengt er den Turm Merlins in die Luft. Hank ist nun ein gemachter Mann und wird von Artus zum obersten Minister des Reiches ernannt. Er bekommt den Titel "Chef". Als Chef beginnt Hank nun seine eigene Truppe heranzubilden und macht sein Wissen zunutze um Firmen und Betriebe zu gründen. Zudem lässt Hank Leitungen graben um ein Telegraphennetz zu erstellen. Alles muss im Geheimen geschehen. Ritter werden auf Fahrt geschickt, um Hanks Produkt Zahnbürste unters Volk zu bringen.

Bald jedoch muss auch Hank selber auf Fahrt gehen. So trifft er auf ein Kloster, in dem der Brunnen versiegt ist. Die Mönche glauben, es liege daran, dass sie sich einmal gewaschen hätten. Denn eigentlich sei es eine Ehre schmutzig zu sein. Der Abt hätte eine Sünde getan, indem er ein Bad im Keller des Klosters bauen liesse. Hank repariert darauf die undichte Stelle des Brunnes, überzeugt die Einsiedelei das Waschen keine Sünde sei. Ein kleines Feuerwerk unterstützt zudem seinen Ruf als grosser Magier.
Auf der Fahrt durchs Land wird Hank bewusst, was es heisst, dem Stand der Bauern und Handwerker anzugehören. Der König erhebt die Steuer, die Kirche den Zehnten, und hat eine Grafschaft einen schlechten Lehnsherrn, so holt dieser noch was zu holen ist. Was bleibt ist oft genug zu wenig um gut leben zu können. In diesem Zusammenhang beschreibt nun Twain auch, dass es nichts mit Klugheit zu tun hat, sich Ritter zu nennen. Das blaue Blut fliesst durch Abstammung, macht den Edelmann nicht zum Edelgeist. Der Chef macht sich Feinde, indem er sich einen Dreck darum kümmert, ob einer ein Edelmann ist, oder nicht. Die Willkür und Grausamkeit des edlen Standes seinen Untergebenen gegenüber, ist Antrieb für den Chef, den Ritterstand zur Auseinandersetzung zu fordern.
Zuerst geht Hank aber noch mit König Artus Inkognito auf reisen. Der König selbst möchte sich ein Bild vom Leben des Bauern machen. Das schwerste am ganzen Unterfangen ist jedoch, Artus zu einem glaubwürdigen Bettler zu machen, ihn seines Standes zu entheben. Oft genug schwillt noch ritterlicher Stolz in seiner Brust, lässt ihn standesungemässe Worte und Blicke senden. So attackiert Artus zwei herannahende Ritter trotz seiner Lumpen. Schliesslich geraten Artus und der Chef in Gefangenschaft, werden als Sklaven auf den Markt gebracht. Dies ohne eine wirkliche Missetat begangen zu haben. Hank kann sich befreien, wird aber kurz darauf wieder eingefangen. Als Strafe droht dem ganzen Sklavenzug der Strick. Sie landen alle auf dem Schaffot. Der König, sein Minister und die andern Sklaven. Nichts kann sie retten. Vom Volk werden sie lediglich verspottet, als sie sich outen. Und nur weil Hank telegraphisch die Ritter aus Camelot herbeordern konnte, wird das Unglück abgewendet.
In der milden Nachmittagssonne stürmen die Ritter in blinkendem Eisen auf Fahrrädern den Hinrichtungsplatz. Wieder auf freiem Fuss, macht sich Hank daran, dem fahrenden Rittertum den Todesstoss zu versetzen. Er fordert die besten zum Turnier und besiegt sie mit Lasso und Pistole. In einer letzten Schlacht, rennen sich die Ritter an der Wissenschaft die Köpfe wund. Kaum einer überlebt, die Macht gehört nun Hank und einem freien Volk.

Fantasy aus dem neunzehnten Jahrhundert wird uns in ein Yankee aus Connecticut an König Artus Hof vorgesetzt. Lange bevor Fantasie ein luktratives Geschäft wurde, wagte sich Mark Twain an ein fantastisches Thema und lässt seine Hauptfigur eine Reise rückwärts antreten. Mark Twain ist dabei durchaus als Genosse seiner Zeit zu betrachten, der keine Zeilen daran verliert, viel Zwischenmenschliches in die erlebten Abenteuer einzubauen. Der Gemütszustand des Helden muss sich dem Wissen, das er aus seiner Zeit mitbringt, unterwerfen. Der Siegeszug der Wissenschaft in einer unwissenden Zeit, prägt Zeile um Zeile, bestimmt Twains Fantasy.

jh

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