j.home`s world
 
Montag, 16. April 2012
orwells engsoz

1984 von George Orwell
Diana Verlag Zürich 1950
Übersetzung von Kurt Wagenseil
dritte Auflage, 356 Seiten

Frauen sind formlose Wesen, Kinder Propagandaware und die Erwachsenen Brennmaterial für die Partei.

Winston Smith fristet sein Dasein in einer Dreiklassengesellschaft im Staat Ozeanien. Als Parteimitglied könnte er nicht einmal sagen, ob er ein Leben hat. Denn leben heisst für die Partei leben, immer unter dem Auge des grossen Bruders. Es sind vor allem zwei Unterdrückungsmethoden, die der grosse Bruder, man kann ihn auch die innere Partei oder die erste Klasse der Gesellschaft nennen, zur Überwachung der Mitglieder der Partei einsetzt. Der Televisor, ein sowohl sendendes als auch empfangendes, fernsehähnliches Gerät, schreit die Parteimitglieder zusammen, zeigen sie ein unkonformes Verhalten. Die Neusprache ist einzig und allein zu dem Zweck entworfen, das Altdenk auszuschalten. Denn Altdenk führt zu jedem nur erdenklichen Gedankenverbrechen.
Die Landessprache ist jedoch immer noch diejenige Sprache, die schon vor der Parteirevolution gesprochen wurde, und die darum noch allgemein gängig ist. Parteiintern wird aber jedoch für Mitteilungen schon in der Neusprache geschrieben.

Winston arbeitete im Miniwahr, dem Wahrheitsministerium. Im Auftrag der Partei manipulierte er die Geschichte des Landes, änderte Nachrichten. Schon lange ist es ihm ein Dorn im Auge, die Wirklichkeit auf diese Weise zu kontrollieren. Er sehnt sich nach der alten Zeit und beginnt Nachforschungen darüber anzustellen, wie denn ein Leben ohne Parteikontrolle gewesen sein mag. Die Welt in der Winston lebt ist jedoch schon lange eine Welt des gegenseitigen Misstrauens. Beständig besteht für ihn der Druck, von niemandem als das erkannt zu werden, was er nur im geheimen war, ein Gedankenverbrecher.

Besonders Kinder werden dazu erzogen, auch davor nicht zurückzuschrecken, ihre eigenen Eltern anzuzeigen. Es reicht ein im Schlaf gegen die Partei gemurmeltes Wort, um von der Gedankenpolizei eingesammelt zu werden. Niemand ist sich seines Lebens mehr sicher. Überall ist der Televisor, oder ein parteitreuer Bruder. Freier jedoch sind die Proles, die untere Klasse. Sogar Liebe dürfen sie zeigen, gehen sie eine Beziehung ein. Dies ist den Parteimitgliedern streng untersagt, denn sie müssen leidenschaftliche Gefühle für den grossen Bruder hegen.

Winston schlägt sich geradeebenso durchs Parteileben. Als er eines Tages eine Liebschaft mit Julia eingeht, die selber der Partei angehört, beginnt für Winston ein Leben ständiger Gefahr vor Entdeckung. Die Treffpunkte sind streng geheim und werden von beiden nur auf verschiedenen Wegen augesucht.

Winston Smith und Julia geniessen die gemeinsame Zeit, erleben ein Stück Welt aus vergangenen Tagen. Schliesslich aber kommt was kommen muss. Der grosse Bruder beendet jäh ihre traute Zweisamkeit. Ein versteckter Televisor versetzt ihrer harmonischen Beziehung den Todeshieb. Sie werden abgeführt. Als Gedankenverbrecher wartet auf sie das Minilieb, das Ministerium für Liebe. Mit ausgesuchten Quälmethoden wird ihnen dort jegliches Bedürfnis nach Freiheit herausgequetscht. Das Minilieb ist nur soweit lieb, als es die Liebe zum grossen Bruder nicht behindert. Das Ziel körperlicher und seelischer Folter ist, das einzig und allein die Liebe zum grossen Bruder bleibt. O`Brian, ein Mitglied der inneren Partei, den Winston eigentlich als Mitverschwörer gegen die Parteitreue kennengelernt hat, entpuppt sich als wahrer Verfechter der Parteilinie. Er quält Winston mit ausgesuchte körperlicher und seelischer Gewalt. Das Ziel ist nicht der schnelle Tod Winstons, auch nicht die Abpressung von Geständnissen. Vor allem durch Psychoterror will der grosse Bruder ins Innere des Menschen vordringen, um durch Veränderung und Steuerung des Seelenlebens Liebe zum grossen Bruder und dessen Ziele zu pflanzen.
Unter Schmerzen verwirft Winston sein Leben, verrät sogar seine Liebe, Julia.

Die Partei möchte auf diesem Weg die Macht über alle Menschen ausüben. Die Proles werden gemäss dem Grundsatz, Unwissenheit ist Stärke, klein gehalten; Parteimitglieder schliesslich müssen im Zwiedenken geübt sein. Das von der inneren Partei gezeichnete Bild der Wirklichkeit ist gegen jede Realität. Wahr ist, was von der Partei als wahr bezeichnet wird. Ein Parteimitglied kann sterben, niemals aber wird die von der Partei mit Strenge erhaltene Ideologie sterben. Endgültige und totale Vernichtung droht dem Menschen, der an freiheitlichen Vorstellungen festhält.-

Ozeanien ist die Welt des orwellschen Engsoz. In 1984 entführt uns Orwell in eine romanhafte Welt, die in beängstigender Weise ein zu Ende gedachtes, totalitäres System zur Anwendung bringt, verpackt in eine Geschichte, die sich um das Parteimitglied Winston Smith dreht. Durch Neusprache und Zwiedenken, soll Engsoz spätestens im Jahre 2050 Wirklichkeit sein. Eine kleine auserwählte Gruppe von Menschen will an der Macht bleiben, braucht dazu treue Parteimitglieder, um die Proles durch Manipulation bei der Stange zu halten. Verhängnisvoller Totalitarismus hängt somit wie eine drohende Gewitterwolke am Himmel. Retten kann uns nur, wie es Winston Smith sagen würde, als Altdenker zu den Proles zu gehen, sie aufzuklären, den Parteizähnen zu entreissen, eigenes Denken zu pflegen...

jh

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