j.home`s world
 
Donnerstag, 16. August 2012
eines abends am fussballplatz

Text, Lyrics und Bild: jhome

gas, fett und gegrillte würste

In meinem Kopf dröhnte noch immer die Stimme des Torhüters. Mit seinem - Raus, Raus - schaffte er es nicht nur seine Vorderleute genug weit aus dem Torraum zu schicken, sein Ruf hatte es auch geschafft, in meinem Hirn als Weckruf zu dienen. Schon früh am morgen bellte es in meinem Hirn den Rausbefehl. Wollte ich gemütlich auf der Toilette ein paar Minuten träumen, schlich sich der gestikulierende Torhüter wieder in mein Hirn. Das dazu passende Bild brauchte gar nicht erst zu erscheinen, und ich wusste, was die Mimik im Gesicht des Torhüters versprach. Zu jeder passenden und unpassenden Zeit hallte das -Raus, Raus - in meinem Kopf nach, pendelte wie ein Ikonenbildchen vor meinem inneren Auge. Dabei hatte der Fussballabend ansprechend begonnen denn eine milde Abendsonne flutete den Platz.

Die Spieler wussten noch nichts von dem, was ihnen durch den Torwart blühte. Mir kam der Verdacht, dass der Torwart darum so laut brüllte, weil die ganze erste Manschaft direkt vom Trainingscamp kam, und ein bischen müde in den Beinen war. Der Torhüter schien darum den Vorsatz genommen zu haben, seine Vorderleute auf keinen Fall zur Ruhe kommen zu lassen. Darum schrie er doch sein Raus, Raus. In der Hitliste der täglichen ungewollten seelischen Strömungen, würde das -Raus, Raus- bald auch schon bei den Spielern an oberster Stelle stehen. Und mir kam da noch ein Gedanke. Wenn der Torhüter es schaffte, mit seinem Gebrüll die Manschafft anzustecken, so war das erst einmal gut. Wenn die Spieler aber darüber hinaus immer an das -Raus, Raus- denken mussten, auch in den gemütlichsten Stunden, da sie ihre Beine eigentlich ruhen lassen konnten, würde das die ganze Meisterschaft in Mitleidenschaft ziehen. Der gutgemeinte Ruf würde zum Psychoschocker, die Manschaft bekäme die letzte Laterne, anstatt Sieg, Preis und Sterne.

Nichts von alledem berührte jedoch zunächst meine, halt nein, unsere Seelen. Wir waren ja die ganze Familie da, hatten das Testspiel in der Nähe natürlich nicht verpassen wollen. Auf der Seitenmauer, die etwas entfernt des Spielfeldrandes verlief, nahmen wir Platz, fieberten dem Startpfiff entgegen. Ein dritter Gedanke drängte sich in meine Hirnwindungen. Sollte ich meinen Kindern Ohrschützer besorgen, sie bewahren vor dem Gekeife des Torwarts? Ich wollte doch nicht, dass sie schon in jungen Jahren erfahren mussten, was alte Seelen beinahe zum Einsturz brachte. Aber nein, ich vertraute darauf, dass junge Menschen halt auch in dieser Beziehnung noch nicht so verknorzt waren, dass normale Abwehrmechanismen noch kindlich funktionierten, ohne sie mit Mühe durchkauen zu müssen.

Der nahe Stand verbreitete einen Mix von Gas Fett und gegrillten Würsten. Erste Bier haltende und Schals tragende Fans besiedelten den Spielfeldrand, besprachen den Trainigsstand der Mannschaft. Und endlich wurde angepfiffen. Ja dieser Torhüter war schon ein Teufelskerl, der hielt die Vorderleute auf Trab. Hätte ich die Packungsbeilage gelesen, ich wäre hinters Tor gerannt, hätte ihm verboten dermassen aufdringlich aufs Feld zu schreien.

Wir sassen nahe am Spielfeldrand, anstatt hoch auf der Tribüne, hörten auch mal was von der Konversation unter den Spielern. Was von oben her, inmitten einer Schar anfeuernder Fans unterging, drang nun als Sprachfetzen über die Seitenlinie. Anweisungen, Zurufe, Lob und anderes hörten wir die Spieler austauschen. Und der Goalie dirigierte munter weiter. Beinahe im fünf Minuten Takt liess er seine Stimmbänder federn. Mittlerweile sendeten ein paar schwarze Wolken ihr feuchtes Nass. Man hoffte wieder auf Sonnenstrahlen, die die Lücken talwärts versprachen. Das Spiel plätscherte dahin, wir besorgten uns nun auch Wurst und Brot.

Nach der Pause schoss endlich jemand ein Tor, leider der Gegner, was das Spiel auch nicht attraktiver machte. Unsere Mannschaft hatte wirklich schwere Beine. So sah es zumindest aus. Dann passierte ein Foul, oder zumindest dachte ich, es wäre eins. Mich riss es hoch und ich schrie meinen Zorn aufs Feld. Soll der Schiri doch mal recht pfeifen. Neben mir hockten ein paar Alte. Ich bemerkte ihren fragenden Blick und setzte mich wieder hin. Ja, ich hatte geschrien. Aber schliesslich nur einmal, und nicht dauernd wie der Goalie. Wegen mir würde niemand einen psychischen Schaden davon tragen. Nur wieder ich, weil ich bedenken musste, dass Emotionen halt doch die richtige Betrachtung manchmal beeinflussen.

Dann war das Spiel zu Ende und in meinem Hirn tönte es: "Raus, Raus!" Wir standen auf und gingen nach Haus. Raus aus dem Schlammassel. Meine Söhne angelten sich Unterschriften, ich bedachte das Gesehene, verarbeitete das Gehörte, oder eben nicht, was mich noch Tage beschäftigte.

jh

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