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Montag, 24. März 2014
pine barrens

Shortride pine barrens aus Jim Turners Anthologie Spur der Schatten

Für Kathleen Mc Kelston war es für lange Zeit der letzte Griff zum Hörer. Nichtsahnend und beinahe gelangweilt, hatte sie den Arm ausgestreckt. Die Entgegennahme hatte nicht nur einen erheblichen Einschnitt in ihr Berufsleben zur Folge, sondern auch ihre Ansichten über die Wirklichkeit würden sich total auf den Kopf drehen. Als Wirtschaftsprüfer sah Kathleen Firmenakten für den Staat durch. Der Kontakt mit den Kunden gab ihr das Bewusstsein, jemand zu sein. Ein Leben lang hatte sie für diese Position gearbeitet. Auf ihre Art hatte sie den amerikanischen Traum gelebt, hatte die Heimat verlassen. Es war ja nicht so, dass sie ihre einfache Herkunft hasste, oder auch nur ablehnte. Sie hatte sie einfach vergessen. Sie hatte vergessen, dass sie eine Piney war, ein Landei aus dem Herzen des industrialisierten Nordosten. Enorm viel Energie hatte sie darauf verwendet, ein neues Leben in einer neuen Umgebung zu haben, sodass ihr die Erinnerung entschwunden war. Wenn sie auch dieser Anruf aus einer vergangenen Welt nicht gerade aus der Bahn werfen würde, sie nicht von ihrer Karriere trennen konnte, sollte sich Kathleen doch gründlich täuschen. Auf der andern Seite der Muschel war jemand, den sie sehr genau kannte. Auf der andern Seite der Leitung war ihr ehemaliger Mitbewohner und langjähriger Jugendfreund. Der da seine Wünsche in den Hörer brabbelte war Jonathan Creighton, mit dem Beinamen Crazy Craighton.

So hatte sich Kathleen den Hörer geangelt und sich zu einem Treffen mit Crazy Craighton überreden lassen. Jenem Hippie, dem sie wegen seiner übertriebenen Wirklichkeitsgrille den Rücken zugekehrt. Locker erzählte Craighton erstmals, was er seit der Schule getrieben. Und Kathleen hörte nicht uninteressiert zu, denn schliesslich hatten sie mal die Bude geteilt. Auch nach vielen Jahren noch konnte sie sich seiner Aura nicht entziehen. Etwas wie Zuneigung schwellte in ihrem Herzen.

Craighton gab vor, für eine wissenschaftliche Arbeit an der Miscatonic eine unheimliche Legende im Outback erforschen zu wollen. Die Beziehungen der in den Barrens aufgewachsenen Jugendliebe sollte ihm den Weg öffnen. Schliesslich fuhren sie zusammen ins Niemandsland, wo sie gross geworden. Auf der Spur alter Geschichten über den Jersey Teufel. Bald kamen sie nach Chatsworth, trafen dort einen entfernten Verwandten von Kathleen. Bei einem Gläschen Jersey Feuer erzählte der eingeborene Piney alte Geschichten. Dabei erwähnte der Alte etwas von Lichtern, die den Teufel jeweils begleiteten. Crazy Craighton spitzte seine Ohren, versuchte mehr darüber zu erfahren. Vergessen war die Studie an der Miscatonic über alte Sagen aus dem Outback. Denn crazy Craighton würde man nicht crazy rufen, wäre er es nicht wirklich. Nach wir vor war es sein Antrieb, einen Blick hinter den Vorhang der Wirklichkeit zu werfen. Er brauchte keinen Teufel der irgendeine Sage belebte. Jonathan wollte den finalen Blick, wollte den Schleier heben und sehen. Waren es in seiner Jugend vor allem Drogen, die ihm halfen das Bewusstsein zu erweitern, war er nun in einem Buch an der Universität auf die mystischen Nexuspunkte gestossen. Zur Tag und Nachtgleiche soll, steht man auf einem solchen Punkt, der Schleier gehoben werden. Die Lumen oder die Kiefernlichter, jene Phänomene die den Jersey Teufel begleiteten, zeigten das Vorhandensein eines solchen Punktes in den Barrens.

Kathleen war entsetzt, als sie das Rätsel Jonathan Crazy Craighton aufs neue gelöst. Es war aber dem Rest ihrer Liebe zu diesem durchgeknallten Hippie zu verdanken, dass sie ihn gewähren liess. Kathleen fällte diejenige Entscheidung, die ihr sonst im Leben nicht in den Sinn gekommen wäre. Sie half ihm, liess ihn ziehen. Crazy Craighton schaffte es zum angegebenen Zeitpunkt den Nexus zu betreten. Die andere Sicht der Wirklichkeit aber war drauf und dran Craighton zu verzehren. Kathleen ahnte nichts gutes und ging ihm nach, hatte aber keine Chance das Unheil abzuwenden. Sie war sogar selber irgendwie von der unheimlichen Kraft der andern Realität die der Nexus zur Tag und Nachtgleiche verströmte, angetan.

Das war es, darum sie eines Tages auf den Hörer ballerte, der dies eingebrockt. Denn nun würde sie die Suche anstelle crazy Craightons fortsetzen, den der Schritt auf den Lumenpunkt verzehrt hatte. Jetzt war sie eine Suchende. Sie war von Stunde an zu aufgewühlt. Die Wirklichkeit war nicht einfach Wirklichkeit. Es gab eine andere Dimension nach der Kathleen nun suchen würde. Ihr Leben hatte sie dorthin zurückgeführt, wo es begonnen hatte. In eine einfache Umgebung, mit einfachen aber tiefgründigen Fragen. Und von Craighton war ihr nichts geblieben, als der Drang der Suche nach dem Unfassbaren.

jh

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