j.home`s world
 
Freitag, 16. Januar 2015
lilith von george mcdonald

interpretiert von joho

Mr.Vane öffnete die Augen. Eine gewohnt vertraute Umgebung erschloss sich seinem Blick. Während seine Gedanken noch in die Ferne schweiften, hatte sich ein beharrliches Frösteln seiner Glieder bemächtigt. Eben noch hatte Mr.Vane die Hand eines wundersamen Wesens gehalten, hatte mit ihm den Frühling einer üppigen Welt durchlaufen. Zusammen mit der Schar der Kleinen, hatten sie das Erblühen im Land der sieben Dimensionen erlebt. Wo einst Wüste und Einöde geherrscht hatten, überdeckten nun kräftige Farben und Formen Täler und Höhen. Dann war jedoch Mr.Vane die Hand entglitten. Restwärme pulsierte noch unter der Haut der Fingerkuppen. Die Realität hatte den alten Herrn eingeholt. Mr.Vane befand sich in seiner Bibliothek, ein geschlossenes Buch auf den Knien. Mehrmals schon hatte Mr.Vane den Weg zurück aus den Tiefen der Geschichte gehen müssen. Ungeduld und unerfüllte Lebensumstände hatten ihn immer wieder angetrieben dorthin zu gehen. Nun aber war er soweit, er würde jetzt warten. Denn das Leben im Land der sieben Dimensionen hatte sich verändert und Mr.Vane wusste, der Tag würde kommen, an dem sein Wunsch in Erfüllung gehen und die Realität zum Traum werden würde. Mr.Vane wartete.

Er hatte den Landsitz von seinen Eltern geerbt. Es war ein altes Haus und mehrere Ahnenbilder zeugten von seinen ehemaligen Herren. Eins davon zeigte Sir Upward. In unbedachten Momenten schien es Mr.Vane, als zeige die Abbildung verborgenes Leben. Er war ein ziemlicher Einzelgänger, um nicht zu sagen ein altgewordener Junggeselle. Er liebte es in der Bibliothek zu sitzen, ein gutes Buch in der Hand. In solchen Momenten schien das Bild besonders geheimnisvoll. Eine als Buchregal verkleidete Tür führte in ein verborgenes Kabinett. Als Besonderheit hatte der Erbauer ein Buch in das Regal eingebaut, das in beide Räume ragte. So schaute also das Buch sowohl im Kabinett heraus, wie auch in der Bibliothek.

An einem Abend bemerkte nun Mr.Vane zwischen einem Lidschlag und dem andern einen vorbeihuschenden Schatten. Mit besonderer Aufmerksamkeit setzte er sich an den folgenden Tagen in die Bibliothek. Immer gespannt, ob sich die ungewöhnliche Erscheinung wieder zeigen würde. Sein Buch auf den Knien, die Aufmerksamkeit auf die Umgebung. Mr.Vane konnte zu diesem Zeitpunkt nicht mit Bestimmtheit sagen, ob er es sich nur einbildete, oder ob er es mit einem realen Objekt zu tun hatte. An einem Tag hatte Mr. Vane sich auf die Spur des mysteriösen Schattens geheftet. Dabei war er auf Mr.Raven, den ehemaligen Bibliothekar von Sir Upward gestossen. Mr.Raven hatte darauf Mr.Vane in das Land der sieben Dimensionen geführt. Das Volk lebte in dort in Furcht und Schrecken vor Lilith, der bösen Prinzessin. Untiere lebten in den Wäldern, Tote bevölkerten die Wälder, Wüste überzog das Land. Ausgestorben schien Bulika, die Stadt der bösen Prinzessin. Getrieben von dem Wunsch zu helfen, und vielleicht auch von dem Wunsch für die eigene Seele Ruhe zu finden, machte sich der Altgeselle auf in das Land der sieben Dimensionen. Mr.Raven, der hier als Totenwächter fungierte, hatte noch versucht Mr.Vane dazu zu überreden, zuerst in der Halle der Toten zu schlafen. Denn die Bestimmungen lauteten, wer sich im Land der sieben Dimensionen bewegen wollte, musste zuerst schlafen.

So hatte aber Mr.Vane diesen wohlgemeinten Rat in den Wind geschlagen. Er war losgewandert ohne genaues Ziel. In einem halbdunklen Wald, nachdem er die ersten Schrecken überwunden hatte, traf er auf die Kleinen. Fröhlich tollten sie umher. Nichts wussten sie von der angeblichen Bosheit einer Prinzessin. Schnell hatte sich Mr.Vane mit ihnen angefreundet, knüpfte eine Beziehung zu Lona, der grössten unter den Kleinen. Schon bald verliess Mr.Vane die Kleinen wieder. Er musste wissen, woher die Kleinen kamen. In einer Waldgrotte stiess er auf eine halbtote Frau. Er nahm sich ihrer an, pflegte sie, und schon bald war sie wieder auf den Beinen und verliess Mr.Vane. Bald darauf fand er Unterkunft im Hause der Katzenherrin. Zuwenig jedoch wusste er immer noch über die Herkunft der Kleinen. Und je weiter er im Lande der sieben Diemensionen unterwegs war, fühlte er die fremde Bedrohung. Er musste Bulika finden, Mr.Vane musste mit der Prinzessin reden. Wie schon erwähnt, war Bulika eine verweiste Stadt. Als er sie erblickte, griff tiefe Beklemmung nach seinem Herzen. Intuitiv wusste Mr.Vane, dass die Lösung der Herkunft der Kinder in der Stadt zu finden war. Er spürte die Macht der fremden Prinzessin. Irgendwie war sie verantwortlich für das Schicksal der Kleinen. Forsch schritt er voran, durchschritt mutig das Portal. Und als er schliesslich gewahren musste, wer die Prinzessin war, glaubte er seinen Augen nicht trauen zu können. Vor ihm stand die Frau aus dem Wald. Vor ihm stand dasjenige Wesen, das durch seine Hand dem Tod entronnen war. Die Prinzessin versuchte auch sogleich den nun schon weitgereisten Altgesellen für ihre Ziele zu gewinnen. Schwierig war es ihr zu widerstehen. Mr.Vane half der Prinzessin. Dann fand er sich jedoch plötzlich wieder in seiner gewohnten Umgebung. Mr.Vane war nicht mehr im Traumland, er war zuhause in seiner Bibliothek.

Erneut versuchte er in das Wunschland zu kommen. Er hatte aber noch nicht herausgefunden, wie Mr.Raven den Übergang bewerkstelligte. Ein Spiegel im Dachstock hatte sich dann als Pforte ins Land der sieben Dimensionen erwiesen und er hatte sich sofort auf den Weg gemacht. Nochmals durchwanderte er das Land. In der Folge basierten alle Geschehnisse und Abenteuer im sagenhaften Land auf einer Entscheidung. Denn wiederum hatte Mr.Vane die Einladung Mr.Ravens im Saal der Toten zu schlafen. Hätte er jedoch dem Bibliothekar Sir Upwards geglaubt, und hätte er sich schon beim ersten Zusammentreffen mit der Schattengestalt der er einst folgte, im Saal der Toten schlafen gelegt, die Geschichte müsste anderst erzählt werden. So trieb es aber den lebenshungrigen zu ehrenvollen Taten. Und wenn er ehrlich bleiben wollte, was bei einem Mann in seinem Alter ein immer verwickelteres Ding war, er tat es auch ein gutes Stück um Frieden für seine Seele zu finden. Immer noch wurde das Land seiner Träume von Lilith terrorisiert. Unterdessen hatte er auch von der Prophezeiung gehört. Die Prinzessin jagte die Kinder. Denn eines, so sagte der Wahrspruch, würde in ferner Zeit ihren Thron fordern. Ohne Wissen und ohne Schutz waren die Kleinen der Willkür dieser Regentin ausgesetzt. Und ohne zu Wissen wer sie war, hatte Mr.Vane jene Frau vor dem Tod bewahrt, die einzig und allein darum ausgezogen war, die Kleinen zu finden, und in den Abgrund zu stürzen. So machte er sich also nun auf, den Kleinen gegen die Herrscherin beizustehen. Unter der Führung von Mr.Vane zogen sie frech gegen Bulika. Hilfe wurde ihnen in dieser brenzligen Angelegenheit von der Katzenherrin zuteil. Gemeinsam zwangen sie die Alleinherrscherin in die Knie. Lona, das grösste der Kinder fand dabei den Tod. Mit Lilith in Gefangenschaft, Lona tot auf den Armen, zogen Mr.Vane und die Kleinen zurück zum Haus des Totengräbers, Mr.Raven.

Geduldig hatte der Totengräber die Ereignisse abgewartet. Einst war Lilith seine Frau gewesen. Auch sie hatte das Angebot in der Halle der Toten zu schlafen ausgeschlagen. Dann war sie ausgezogen, eine mächtige Herrscherin zu sein. Stetig hatte die Zeit an ihrer Entscheidung genagt. Das Alter wollte sie verschlingen und die Kinder wahren ihr zu einer Bedrohung geworden. Jetzt war sie wieder am Anfang ihres Weges. Zurückgeführt durch einen einsamen Wanderer und die Horde der Kleinen. Die Pritschen standen bereit. Gemäss althergebrachten Weisungen musste zuerst schlafen, wer im Land der sieben Dimensionen erfolgreich und ohne grossen Schaden anzurichten, leben wollte. Und Lilith gab sich geschlagen, und Mr.Vane...erwachte wie aus einem Traum, ein Buch auf seinen Knien.

Lilith ist ein Urklassiker der Fantasy. Der Roman eines englischen Pfarrers und Aristokraten. George McDonald lässt Mr.Vane, den Alleinerben, in einer Traumwelt dem Sinn des Lebens nachjagen. Ob es aber nun halluzinatorisches Wunschdenken oder einfach nur Träumerei ist, George McDonald rückt mit seiner Episode einer grossen Lebensfrage auf den Grund. Die Aufforderung des ehemaligen Bibliothekars entspricht einem geistlichen Grundmuster. An einem gewissen Punkt im Leben kann nur Neues und Echtes entstehen, wenn wir bereit sind loszulassen. Dies zeigt das Beispiel von Mr.Vane und Lilith. Ein Krieg bringt die Entscheidung, begleitet von Tod und Verderben. Und am Schluss stehen sie wieder vor dem Totengräber der die gleiche Frage wieder stellt. Es ist eben vielleicht aber auch dermassen: keine Dramatik, keine Geschichte die sich zu erzählen lohnt, wenn alles in geordneten Bahnen verläuft. Und so bleibt Lilith ein Buch das zum mehrmaligen Lesen auffordert, denn vielleicht hat ja der erste Eindruck ein massives Manko.

joho

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the more vane the less vain...

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vane oder vain...is oll the same...

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